Deutschland – Gauck neuer Bundespräsident

Joachim Gauck wurde gestern von der Bundesversammlung zum elften Bundespräsidenten gewählt. Er war der einzige Kandidat mit Siegchancen. Alle Bundestagsfraktionen, mit Ausnahme die der Linken, unterstützten bereits im Vorfeld seine Kandidatur. Die bedauernswerte Beate Karlsfeld, Kandidatin ebendieser Abweichlerfraktion, füllte lediglich das Starterfeld auf. So konnte das Wahlergebnis nur “überwältigend” zu Gunsten Gaucks ausfallen. Er nahm, sichtlich gerührt und bewegt, die Wahl an. Der Mann ist am Ziel.

Am Abend war er Gast beim ZDF. In einem 20minütigen Interview in der Sendung Was nun Herr Gauck? hatte er Gelegenheit, einige dehnbare Aussagen zu den Themen Freiheit, Sozialstaat und Verantwortung zu präzisieren. Keine besonderen Vorkommnisse bis hierhin.

Zwei Fragen liessen mich jedoch aufhorchen. Kurz nach Beginn wurde er nach seiner Interpretation des Wahlergebnisses gefragt, schließlich hatten sich mehr als 100 Wahlmänner und Wahlfrauen ihrer Stimme enthalten. Die Interviewer fuhren mit der Frage fort, ob er sich vorstellen könne das es für Teile des Parlaments ein Problem sein könnte das neben Angela Merkel mit ihm ein zweiter ostdeutscher Protestant an die Spitze des gesamtdeutschen Staates rückt – ein zweiter PROTESTANT! Er verneinte dies. Die Antwort war weniger bemerkenswert als die Frage selbst. Deutschland ist ein säkulares Land, und seit dem Westfälischen Frieden sind nun auch schon 364 Jahre vergangen. Trotzdem könnte die Konfession eines Bürgers ein ‘Problem’ sein? Der aufmerksame Zuschauer lernt nie aus.

Die zweite Frage war die nach seiner Stellung zum Holocaust. Er gilt als ehemaliger Bürgerrechtler der als Pfarrer und als Mensch unter dem kommunistischen Regime der ehemaligen DDR gelitten hatte. Er mahnte in der Vergangenheit immer wieder an das man über dem Gedenken an die Opfer des Holocausts nicht die Opfer kommunistischer Diktaturen in Mittel- und Osteuropa vergessen dürfe. Äußerungen in diesem Sinne wurden als Relativierung des unvergleichlichen Mordens während der NS-Herrschaft gedeutet. Dieses Missverständnis wurde in der gestrigen Sendung ausgeräumt. Bezüglich dieses so dunklen Teils unsere Geschichte darf es keine Zweideutigkeiten geben. Das Unvergleichliche bleibt unvergleichbar!

Er wird seine Worte in Zukunft sorgfältiger wählen müssen. Wünschen wir ihm alles Gute.

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